© DAV HL/Lorena Rudolph

Tradklettern im Ith

17.09.2026

Am Wochenende vom 5. bis 6. September waren Reni und ich zum Klettern im Ith. Für mich war es der vierte Besuch, für Reni der erste – und Tradklettern war für Reni bis dahin noch komplettes Neuland. Übernachtet haben wir auf dem Jugendzeltplatz der JDAV Nord, von dem aus wir die Felsen in Lüerdissen bequem zu Fuß erreichen konnten.

Für Samstag war eigentlich Regen angekündigt. Der blieb zum Glück aus, dafür stürmte es den ganzen Tag gewaltig. Ab ein paar Metern Höhenunterschied konnten wir uns selbst mit Anbrüllen kaum noch verständigen, und einmal haben wir uns kurzerhand angerufen.

 

Los ging es an der „Hexenkanzel“, deren Risse mehrfach herhalten mussten. Hier machte Reni die ersten Legeübungen mit Keilen und Cams. Für die ersten Meter an selbst gelegten Sicherungen gab es eine Toprope-Hintersicherung. Am Ende kletterte Reni die erste cleane Route im Vorstieg. Auch Abseilen wurde fleißig geübt. 

Anschließend ging es weiter zum „Kamel“. Über die „Westkante“ und den „Briefkasten“ kletterten wir in zwei Seillängen bis auf den Kopf des ikonischen Kamels. Den Stand baute Reni dabei selbst. Zum Abschluss hängte ich noch die schöne Sportkletterroute „Sweet Sixty“ an – mit durchgefrorenen Fingern ganz schön fies.

Den Abend ließen wir mit Essen am Lagerfeuer auf dem Zeltplatz und Kartenspielen ausklingen.

Am Sonntag zeigte sich der Ith von seiner schönen Seite, und wir verbrachten den Tag in der „Teufelsküche“. Auf dem Programm stand wieder Legen üben. Neben „SW-Kante“ und „Spigolissimo“ stieg Reni die Fünfer-Route „S-Wand“ an mobilen Sicherungen selbst vor, baute alles wieder ab und seilte selbstständig ab.

 

Mein Highlight des Wochenendes war der „Höhlenweg“, den ich mir schon seit Monaten vorgenommen hatte. Man steigt von unten in einen Kamin ein, der immer enger wird, quetscht sich schließlich einige Meter durch rundum geschlossenen Fels und kommt auf der anderen Seite oben durch ein Loch wieder heraus. Technisch leicht, aber wahnsinnig lustig.

Zum Schluss hatten wir an etwas härteren Routen wie der „Tour” (was für ein aussagekräftiger Name) viel Spaß und projektierten schwierigere Stellen im Toprope, etwa in „Per sempre“. Nach sieben Stunden am Fels waren wir beide schön ausgepowert – ein richtig guter Abschluss.

An beiden Tagen waren wir gefühlt die ersten und die letzten am Fels. Anders wäre dieses Programm auch kaum zu schaffen gewesen. Tradklettern braucht seine Zeit. Unterwegs waren viele Gruppen der JDAV, oft mit Einsteigern im Toprope. Die Absprachen am Fels funktionierten gut und die Stimmung war durchweg entspannt.

 

Reni hat an diesem Wochenende einen ziemlichen Intensivkurs bekommen: Tradklettern, Mehrseillängen, Standplatzbau und Abseilen. Jetzt ist alles zumindest einmal gemacht, und vieles davon klappt schon recht sicher, wird aber natürlich Wiederholungen benötigen.  Für uns hat es gut funktioniert, weil wir seit Jahren zusammen klettern und nicht zum ersten Mal zu zweit draußen unterwegs waren. Wichtig ist mir trotzdem: Ein solcher Crashkurs aus dem Freundeskreis ist keine Empfehlung zum Nachmachen. Für den Einstieg empfehle ich die DAV-Kurse zum traditionellen Klettern im Ith und generell jedem das Buch „Sicher sichern“ von Michael Hoffmann.

 

Lorena