14.09.2026
Um Martens Geburtstag gebührend zu feiern, fuhren Marten, Alina und ich für ein Wochenende zum Klettern in den Ith.
Eigentlich wollten wir dort einige Klassiker klettern. Vorgenommen hatten wir uns den Direkten Kakteenweg am Krokodil, den Briefkasten am Kamel und den Mittelweg am Teufelstrichter. Wie immer schauten wir auch in Richtung Würfeldach am Zwilling.
Wie zu erwarten, war es an diesem Wochenende an den Felsen in Lüerdissen allerdings sehr voll. Das Kamel und das Krokodil waren belegt – das konnten wir bereits beim Zustieg erkennen. Am Teufelstrichter hatten wir schließlich Glück, allerdings konnten wir den Mittelweg nicht klettern. Deshalb wärmten wir uns an der rechten Felsseite in einer traditionellen Tour auf.
Marten übernahm den Vorstieg und konnte dabei gleich seine neuen Klemmkeile ausprobieren. Im Nachstieg entfernte ich alle Sicherungen, sodass Alina die Tour dieses Mal im Toprope kletterte. Trotzdem ließ sie es sich nicht nehmen, sich am Ende der Tour selbstständig abzuseilen.
Anschließend probierten wir es noch einmal am Kamel. Leider waren die Umlenkungen weiterhin mit denselben Topropes belegt und wurden auch während der Mittagspause der anderen Seilschaften nicht frei. Das war auf der einen Seite schade, führte aber auf der anderen Seite dazu, dass wir schließlich zum Pilzstein gingen.
Der Pilzstein ist für mich ein besonderer Fels. Hier habe ich von Martens Vater Holger gelernt, Keile und Cams zu legen sowie Sanduhren zu fädeln. Außerdem unternahm ich dort meine ersten Versuche im Vorstieg. Doch nicht nur diese Erlebnisse sind mir im Gedächtnis geblieben. Auch die vielen alten Geschichten, die Holger über den Ith zu erzählen hat, faszinieren mich immer wieder.
So erzählte er unter anderem von der Tour „Hang or Hang Not“ (UIAA 8−). Dabei handelt es sich um ein beeindruckendes Dach direkt neben unseren ersten leichteren Felstouren. Die erste freie Begehung gelang Milan Sykora im Jahr 1981.
Genau diese Tour projektiere ich nun, nachdem ich bereits mit Mirja das Glück hatte, sie zum ersten Mal auszuprobieren und zu schauen, ob sie nicht doch im Bereich meiner Möglichkeiten liegt. Und das tut sie.
Entsprechend motiviert liefen wir zum Pilzstein und hatten Glück: Der Fels war frei. Wir studierten die Route und wählten unser Material aus. Dann startete ich in meinen ersten Vorstiegsversuch und konnte auf dem Weg zum ersten Haken drei solide Cams legen.
Aus meiner Erinnerung wusste ich, dass ab dem ersten Haken der Ernst der Tour beginnt. So flog ich dann auch zwischen dem ersten und zweiten Haken und konnte das Sturzgelände in einer praktischen Übung studieren. Der Haken hielt und der Sturz war sauber. Also kletterte ich wieder hoch und konnte anschließend den zweiten und dritten Haken in einem Versuch klinken.
Gut auf das Kommende vorbereitet, stieg ich ins Dach ein und versuchte mehrmals den dynamischen Zug hinaus über die Dachkante. Mit völlig dichten Unterarmen hatte ich jedoch keine Chance. Also seilte ich ab und überließ Marten den Vortritt.
Mit den bereits gelegten Sicherungen konnte er gut bis zur ersten schwierigen Stelle klettern. Dort testete auch er zunächst das Sturzgelände, bevor er anschließend solide bis unter die Dachkante gelangte. Nach einer kurzen Rast im Haken konnte Marten die Crux im zweiten Versuch dynamisch klettern. Laute Freude schallte durch den Wald und kurz darauf ertönte das Kommando: „Stand!“
Schnell hängte er die Sicherungsplatte ein. Dann kam auch schon das Kommando „Nachkommen!“ und ich stieg wieder in die Route ein. Mit den Bewegungen noch im Kopf konnte ich bis unter die Dachkante klettern. Im Dach flog ich ein letztes Mal, bevor ich endlich die angepeilte Sanduhr an der Dachkante greifen konnte.
Einen Klimmzug später standen wir gemeinsam oben an der Umlenkung, freuten uns ein Loch in den Bauch und kannten nun unser Trainingsprogramm für den Winter …
Zum Abschluss des Tages stieg Alina am Pilzstein noch eine Route mit mobilen Sicherungen vor. Anschließend seilte sie souverän ab und bekam auch alle Keile wieder aus der Wand.
Wegen des unsicheren Wetters brachen wir danach zu Holger auf – schließlich hatten wir stolz eine neue Geschichte aus dem Ith im Gepäck. Bei Holger zu Hause wurden alte Kletterführer gewälzt, neue und alte Geschichten erzählt und das restliche Wochenende genossen.
Wie immer bleibt am Ende nur eine Frage: „Wann schaffen wir es wieder zurück in den Ith?“
Till